Nina Lehmann / Boris Reifschneider
Fesseln spürt, wer sich bewegt
1.0 Gemeinsame Einleitung
Diese Arbeit behandelt die 80er Jahre in der Bundesrepublik. Allerdings werden keine bekannten Kinofilme betrachtet, sondern Filme, die innerhalb der Bewegung gegen den Bau der Startbahn West entstanden sind. Hier finden sich interessante Einsichten in die Mentalität der Personen, die an einer der großen regionalen Bürgerinitiativen beteiligt waren, die Deutschland ín den 80er Jahren prägten.

Das Thema der vorliegenden Arbeit:
Gegenstand der Untersuchung sind nicht die großen bekannten Kinofilme der Epoche, sondern Filme, die im Zusammenhang mit bestimmten historischen Ereignissen der 80er Jahre entstanden sind, aber so gut wie nie Inhalt einer film- wie geschichtswissenschaftlichen Arbeit waren.

Die Rede ist von den im Grunde semi-professionell entstandenen Filmen, die von Personen der Widerstandsbewegung gegen den Bau der Startbahn-West zur Dokumentation ihrer Bemühungen und Mobilisierung von Gleichgesinnten gedreht wurden. Gerade weil diese Filme nicht für ein breites Publikum, sondern vielmehr für Leute der "Szene" gemacht wurden, werden hier sehr persönliche Einsichten vermittelt. Oft werden inhaltlich bestimmte Fakten überzogen oder nur eine subjektive Sicht der Dinge gezeigt, was aber den Unterhaltungswert und Empathiegehalt der Filme bei ihrem Publikum sicherlich eher steigerte.
Alle Filme haben die Absicht, Dokumentation und Erklärung für die Gegenwart und auch für die Nachwelt zu sein. So wollten die Startbahngegner dagegen angehen, daß später einmal nur filmische Aufzeichnungen über ihre Bewegung existieren, die nicht von ihnen, sondern von ihren "Gegnern" gemacht wurden.

Diese Filme sagen viel über die Mentalität und den Charakter der Startbahnbewegung und anderer regionaler Widerstandsgruppen aus. Sie zeigen, wie sie sich (bisweilen selbstkritisch) selbst sahen und wie sie gesehen werden wollten. Obwohl die Startbahnbewegung aus vielen unterschiedlichen Gruppierungen bestand, gab es einen gemeinsamen Grundkonsens und einen gemeinsamen Zeichenpool, sodaß man sich verständigen konnte. Wir stellten uns die Aufgabe, diese Dinge in den Filmen herauszuarbeiten und zusammenzufassen.

So gelingt es, die Arbeit wieder in einen größeren Kontext einzuordnen, denn diese Filme einer Protestkultur sagen in der Tat viel über das Bewußtsein der Menschen der Bundesrepublik in den 80er Jahren aus: wie sie ihre demokratisch gewählten Politiker sahen, welche Ängste sie hatten, und wie der Zustand der Gesellschaft empfunden wurde.

 
  
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DIF, 3.4.2000  

 
 

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