Nina Lehmann / Boris Reifschneider
Fesseln spürt, wer sich bewegt
4.5 FESSELN SPÜRT, WER SICH BEWEGT (1982) 

Die beiden Filmemacher lebten im Spätsommer im Hüttendorf, das aus Protest gegen die Startbahn errichtet wurde. Sie zeigen Innenansichten der Startbahnbewegung und die unterschiedlichen Motivationen der Startbahngegner. Unmittelbare Aufnahmen der Auseinandersetzungen geben einen Eindruck von der Gefahr, in die sich die Demonstranten damals begaben.

Die Entstehung des Films und die Absichten der Filmemacher:
FESSELN SPÜRT, WER SICH BEWEGT ist vom Spätsommer 1981 bis Anfang '82 gedreht worden. Der Film ist eine Arbeit von Thomas Carle und Dietmar Klein an der Berliner Film- und Fernsehakademie. Er war geplant als eine Dokumentation über die Verhältnisse des Hüttendorfes im Flörsheimer Wald, die verschiedenen Motivationen der Dorfbewohner, ihre Gemeinsamkeiten und Konflikte. Durch die vorzeitige Räumung Anfang Oktober 1981 konnte dieses Projekt nicht mehr zu Ende geführt werden, die Filmemacher drehten jedoch weiter und "werden ganz unvermittelt zu Chronisten der Ereignisse".[4] Sie standen dabei auf der Seite der Startbahngegner und wurden von der Polizei auch als solche behandel. Carle beschreibt die Situation nach der Räumung: "Während wir in den ersten Drehwochen nur durch die ständige Beobachtung und die Kontrollen von "Zivilen" gestört wurden, mußten wir uns jetzt vor Tränengasgranaten, Schlagstockeinsätzen und Wasserwerfern hüten"[5]. Ihre belichteten Filmkassetten ließen sie mit Hilfe eines Geländemotorrads in Sicherheit bringen. Auch die 16-Millimeter-Kamera der Filmemacher wurde zerstört, und sie wurden trotz ihrer Presseakkreditierung nicht mehr hinter die Polizeisperren gelassen. Sie verfolgten die Auseinandersetzungen trotzdem weiter und filmten mit Super-8 die letzten Szenen für den Film.

Anders als die Filme von Frickel ist FESSELN SPÜRT, WER SICH BEWEGT kein sogenannter Agitprop-Film, er war auch nicht als solcher geplant. Das neutrale Interesse der Filmemacher, die Geschehnisse und die Wirklichkeit zu dokumentieren, schließt nicht aus, daß der Film zur Mobilisierung von Sympathien für Startbahngegnern dienen konnte. Bei seiner Uraufführung bei den Duisburger Dokumentarfilmwochen fand er reges Interesse und wurde häufig in der Presse besprochen. Danach zeigten ihn auch die Bürgerinitiative sehr häufig. Später lief er auch in verschiedenen kleineren Kinos, unter anderem im Frankfurter Bergerkino.

 
   
   
 

[4] Presseheft, S. 2 PDF-Datei).

[5] Presseheft, S. 3 PDF-Datei).

 

DIF, 3.4.2000    
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