Renate Jost
Grenzenlose Freiheit - begrenztes Leben

2.1 Annäherung an die Wirklichkeit

 

Gegen Ende der 70er Jahre fanden sich sowohl im Kino als auch im Fernsehen Filme mit kleinen Budgets, neuen Themen und mit anderen ästhetischen Konzeptionen, als die, die von den etablierten Vertretern des Neuen Deutschen Filmes entwickelt wurden. Im retrospektiven Blick war dies eine kurze Phase, die neuen Regisseure erhielten in ihrer weiteren Entwicklung nicht die Reputation der großen Autorenfilmer oder strebten vielleicht auch gar nicht danach.

Im Vordergrund stand das Aufspüren von Themen, in denen sich der Rückzug einer Gesellschaft ins Private als Reaktion auf gesamtgesellschaftliche Entwicklungen und Bedrohungen zeigte. In der Auseinandersetzung mit Freiräumen und Grenzen der Jugend in den 70er Jahren orientierte sich der Jugendfilm an den Sehgewohnheiten des jugendlichen Publikums, bevorzugte überschaubare Handlungsabläufe und Spielfilmcharakter. Trotzdem kokettierten die Filme mit Hollywood-Mustern.

Die Regisseure entdeckten die Probleme der nichtangepaßten Jugendlichen und nahmen sie ernst. Themen und Geschichten entwickelten sich in enger Zusammenarbeit mit Laiendarstellern [7] aus den beschriebenen Milieus. Sie vermitteln keine aufgesetzten und anspruchsvollen Botschaften, sondern schildern Realismus im Detail. Die Jugendlichen stehen im Mittelpunkt des Geschehens, und ein zeitbezogenes, aktuelles Thema wird widergespiegelt. Die Geschichten finden die Regisseure in ihrem engeren Umfeld oder sie erzählen von eigenen Erfahrungen. Wie sich dieses Verhältnis zum Thema auf die einzelnen Filme auswirkte, verdeutlichen die Auszüge aus Interviews mit den Regisseuren.[8]

Es läßt sich feststellen, daß die Regisseure zwar den Rahmen der Story entwickelt haben, aber die weitere Ausgestaltung oft in Interaktion mit den Hauptdarstellern stattfand. Dies trifft in besonderem Maß für die Arbeitsweise bei SCHLUCHTENFLITZER und DIE ABFAHRER zu. In der Zusammenarbeit fand eine Angleichung der Positionen statt. Frießner schuf aus seinen eigenen Erfahrungen mit einem ’sehr speziellen Fall’ einen Film, der ‘beispielhaft’ (Frießner) die Lebensschwierigkeiten dieser Jugendlichen darstellt. Auch hier findet kein bewertender, sondern eher ein reflektierender Blick auf eigene Erfahrungen statt. In allen Filmen wird der Dialekt und die Sprache der Jugendlichen möglichst unverfremdet wiedergegeben. Über den Dialekt stellt sich auch ein besonderer Bezug zu den Regionen und Milieus her, in denen die Filme spielen.

 
 

 

DIF, 3.4.2000  

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