Renate Jost
Grenzenlose Freiheit - begrenztes Leben
2.2 ‘Kleine’ Filme für ‘Kleine’ Leute

 

Zielgruppenfilme für Jugendliche gab es in den 70er Jahren häufiger, was u.a. eng mit der Entwicklung des Fernsehens und dessen Zielsetzung zusammenhängt. Hans-Dieter Kübler weist daraufhin, daß eine "stärkere Orientierung an den Interessen und Bedürfnissen unterschiedlicher Zielgruppen" stattfand, so wurden die knapp 9 Millionen jugendlichen Zuschauer zwischen 14 und 25 Jahren beachtet. Der vermehrte Einzug von Fernsehgeräten in die Haushalte ermöglichte "allmählich den ungehinderten Empfang von gruppenspezifischen Programmen." [9] Inwieweit die jugendliche Zielgruppe die für sie produzierten Filme auf dem TV-Markt wahrgenommen hat, bleibt allerdings offen.

Für die hier vorgestellten ‘realitätsbezogenen’ Jugendfilme wirken sich die Entwicklungen in der Film- und Fernsehförderung [10] durchaus positiv aus. Durch die Beteiligung des Fernsehen wurde es möglich, zeitbezogene, aktuelle Jugend-Themen anzugehen.

Aus einem Interview mit Adolf Winkelmann:

"Wir hatten 200 000 DM vom WDR-Jugendprogramm erhalten, und zwar ohne große Zugeständnisse. Dann standen wir vor der Möglichkeit, durch die ganzen Gremien zu marschieren und da noch Geld hinzuzufinden, die Sache also fördern zu lassen, das Drehbuch beurteilen zu lassen oder einfach anzufangen, in dem Moment, wo die Geschichte für uns noch richtig lebendig da war, wo die Leute am Ort waren. Für uns mußte es einfach losgehen, obwohl die 200 000 DM viel zuwenig waren." [11]

Es entstanden teils reine Fernsehproduktionen (DIE ABFAHRER, SCHLUCHTENFLITZER), während DAS ENDE DES REGENBOGENS eine Co-Produktion zwischen WDR (Finanzierung) und Basis-Film Verleih (Hilfestellung in Form von organisatorischer, finanzieller und auch dramaturgischer Beratung) war. Die Auswertung fand in beiden Bereichen statt. So wurde der Film DIE ABFAHRER zuerst im Fernsehen ausgestrahlt und die Kinoauswertung folgte dann im Anschluß. SCHLUCHTENFLITZER [12] und DAS ENDE DES REGENBOGENS fanden zuerst eine Aufführung in den Kinos. In der Kinoauswertung mußten sich die Filme vor Ort beweisen. Nach Elsässer [13] gelang es nur dem Film DIE ABFAHRER, im Kino erfolgreich anzukommen. Es ist jedoch bemerkenswert, daß diese Filme bis heute in den Katalogen der nichtgewerblichen Verleiher (u.a. Bildstellen und Landesfilmdienste) enthalten sind.

 
 

[9] Kübler, Hans-Dieter. Problemfall: Jugend und Fernsehen. Merz 1/78, 22 Jahrgang. S. 23

[11] Jagau, in: Wiesbadener Kurier vom 13.10.1979

[12] Am Beispiel von SCHLUCHTENFLITZER soll verdeutlicht werden, wie sich die Förderbedingungen des Fernsehens auf die Produktion auswirken können: "Die 110 Min. des Filmes sind herausgeschnitten aus den drei, je eine Dreiviertelstunde langen Folgen einer Fernsehreihe" (Hamburger Abendblatt vom 6.4.79. H.G.), die ab 1981 im Fernsehen laufen sollten. (Einziger bekannter Sendetermin: 5., 12. und 19. 8.1983 in der ARD >Zoom 15/83) Für den Film bedeutet dies Verluste im dramaturgischen Konzept, die ursprünglichen Intentionen des Regisseurs wurden beschnitten.

[13] Elsaesser, 1989. S. 90

DIF, 3.4.2000  

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