Renate Jost
Grenzenlose Freiheit - begrenztes Leben

3.3 DAS ENDE DES REGENBOGENS: Jugend im Abseits der Gesellschaft

DAS ENDE DES REGENBOGENS, Uwe Frießner, BRD 1979

Frießners Film gleicht einer präzisen Milieustudie. Er blickt in die Welt eines Jugendlichen, der durch das soziale Netz der Gesellschaft fällt. Trotz der Veränderungen der sozialliberalen Regierung können nicht alle am Wohlstand teilhaben. Im Mittelpunkt des Films steht Jimmy, er kommt aus einer Unterschichtfamilie, deren Alltag von Gewalt und Alkoholismus bestimmt ist. Jimmy hat eine Heimkarriere hinter sich, kann kaum lesen und schreiben. Erziehungssystem und Bildungsinstitutionen konnten die familiären Defizite nicht auffangen.

Es bleibt der Blick auf eine kalte, unwirtliche Gesellschaft, in der die Kälte sich auch in den Menschen festgesetzt hat. Außenseiter stellen die Abgründe in der Nähe des Wohlstandes dar, von ihnen geht eine Bedrohung für das System aus. Frießner zeigt mit Jimmy eine Person, die sich den Spielregeln, nach denen gesellschaftliches Leben funktioniert, nicht unterwerfen kann und die das System und seine Grenzen durch ihr Verhalten in Frage stellt. Bei Jimmy überwiegen die negativen Gefühle, die er von Kindheit an erfahren hat. Beim Versuch, ‘vernünftig’ zu handeln, scheitert er.

 
DAS ENDE DES REGENBOGENS, Uwe Frießner, BRD 1979Jimmy wird als Mensch gezeigt, der in den Tag hineinlebt, keine Regel- und Planmäßigkeit kennt und sich im Wechselbad der Gefühle befindet. Vertrauen hat er nie kennengelernt, Mißtrauen spiegelt sich in seinem Verhalten, auch gegenüber seinem Kumpel, mit dem er auf Raubzüge geht. Auf der Suche nach Vertrauen und Wärme in einer kalten Welt, setzt er sich ungeschützt der Kälte aus. In der reduzierten Sprache Jimmys finden sich keine Worte für seine Gefühle. Diese Gefühle werden von Frießner in Jimmys Unruhe, Aggression und Unmäßigkeit ausgedrückt. Beziehung kann sich für eine kurze Zeit in der Wohngemeinschaft entwickeln, die ihm sogar einen eigenen Raum zur Verfügung stellt, den er sich liebevoll einrichtet. In der Beziehung zu Gabi findet er so etwas wie Liebe, und eine kleine Hoffnung auf Stetigkeit zeigt sich in dem Wunsch, "immer zusammen bleiben" zu können. Frießner kontrastiert die Nähe zwischen Jimmy und Gabi mit den unwirtlichen, kalten Orten, an denen sie sich treffen, wie ein Dachboden oder eine Toilette. [23] 
 

[23] Nicht an den kalten Orten, sondern an der Darstellung der Liebesszenen stört sich die FSK in der Freigabe des Films für Jugendliche. Die Diskussion zeigt sich in den Kritiken der Frankfurter Rundschau und der Stellungnahme der FSK.Bei der Fernsehausstrahlung 1981 erreichten, je nach Sendezeit, unterschiedliche Fassungen das Publikum. (vgl. auch Stuttgarter Zeitung vom 4.2.81, PDF-Datei).

DIF, 3.4.2000  

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