Renate Jost
Grenzenlose Freiheit - Begrenztes Leben
3.3 DAS ENDE DES REGENBOGENS: No future - Jugendkultur in der Stadt

DAS ENDE DES REGENBOGENS, Uwe Frießner, BRD 1979

An dunklen, verrauchten Orten hängen die Jugendlichen herum und finden Zuflucht in englischer Musik und Drogen. Hier ist der Treffpunkt der Hoffnungslosen der Großstadt. Die lethargisch herumlümmelnden Jugendlichen verkörpern Trostlosigkeit und Endzeitstimmung. Auch Jimmys Freundin Gabi ist von Valium abhängig und hat einen Selbstmordversuch hinter sich. Es gibt zwischen Gabi und Jimmy Streit, da Jimmy sich von der ‘ganzen Drogenszene’ distanzieren will. Jimmy läßt sie sitzen und verschwindet.

‘No future’ als Grundstimmung von randständigen Jugendlichen vermittelt Frießner in seinem Film, dem Ende und dem daran anschließenden Abspann. Frießner läßt Jimmys Träume und Hoffnungen endgültig zerbrechen, als er ungeplant und aus einem Zufall heraus mit einem Freund die Oma von Gabi beraubt. Als die Oma die beiden erwischt, wird sie vom Freund niedergeschlagen. Nun bleibt nur die Flucht für die beiden: Für Jimmy der Weg zurück in die Hoffnungslosigkeit und Kälte, aus der er für einen Moment entflohen ist, die ihm aber nicht den Halt geben konnte, den er gesucht hat. Im Abspann [25]wird auf die reale Person Andy hingewiesen, die der Geschichte Pate gestanden habe. [26]

 
 

[25] Der Film endet mit einer persönlichen Widmung an Andy von Frießner: "Dieser Film ist Andy gewidmet. Nach jahrelangem vergeblichem Versuch, Herr seines Lebens zu werden, beschloß er, 18jährig, wenigstens Herr seines Todes zu sein. Mit einer Planmäßigkeit, die ihm zum erstenmal Erfolg versprach, setzte er nach wochenlanger Vorbereitung zwischen dem 15. und 18.2.76 seinem Leben ein Ende."

[26] Dazu ein Eindruck von Sebastian Feldmann (in: Rheinische Post vom 5.1.80): "Was aber mehr stört als die harmonisierende Beschwichtigung, mit der die Produktion die Ähnlichkeit zwischen Hauptperson und Hauptdarsteller wegzumogeln versucht, ist die Tatsache, daß das Hauptproblem Jimmys, Heroin nämlich, im ganzen Film total verhohlen wird. Allenfalls im sentimentalen Nachspann, der wie Heuchelei klingt, wird klar, was eigentlich gemeint war: "Nach jahrelangem vergeblichem Versuch, Herr seines Lebens zu werden, beschloß er, 18 jährig, wenigstens Herr seines Todes zu sein." „Andy", die Original-Figur, der dieser Film gewidmet ist, brachte sich mit der Droge um. Sein Tod erscheint hier, schamhaft verschwiegen und geradezu mythisiert, im Nachspann. Und genau diese Aussparung der gesamten, hier Verstehen oder Verständnis großenteils herstellenden Problematik, macht leider die subtile Verlogenheit des Films aus. Gewiß: Dieser Film, diese Katastrophen-Studie über einen Unterschichtjugendlichen, gibt auch ohne die Kenntnis seiner Biographie „Sinn". Aber die Zwangsläufigkeit seines Untergangs entbehrt ohne den Drogen-Aspekt der eigenen Logik. So exzellent dieser Film gemacht ist, so dringend stellt sich beim längeren Nachdenken der Verdacht ein, daß hier doch ein wenig geschummelt wurde. Und das ist traurig; es hätte nicht sein müssen. So bekommt der Film eine pseudotragische Färbung, die man als „gesellschaftskritische Larmoyanz" definieren darf."

DIF, 3.4.2000  

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