Renate Jost
Grenzenlose Freiheit - begrenztes Leben

3.3 DAS ENDE DES REGENBOGENS: Gefühlswechsel

DAS ENDE DES REGENBOGENS, Uwe Frießner, BRD 1979

Das Wechselbad der Gefühle im Leben von Jimmy überträgt sich auch auf den Zuschauer. Mal mit einem verständigen, mal mit einem ablehnenden und genervten Blick verfolgt man das Leben und die Gefühlsäußerungen von Jimmy. Die Handlungen des Jugendlichen liegen an den Grenzen des Nachvollziehbaren. Trotzdem versteht es der Film, in gewisser Weise Verständnis für die Situation und die Gefühle von Jimmy zu wecken. Das erreicht Frießner, indem er seinen Protagonisten nie denunziert und ihn als eigenständige Person ernst nimmt. Während der Sichtung kommt wiederholt das Gefühl auf, Jimmy endlich mal schütteln und auf den Boden der Tatsachen zurückholen zu wollen. Der Film bietet Einblick in ein Milieu, das zwar bekannt ist, das man aber in der Realität ausblenden oder ignorieren kann. Auf Jimmis Nichtanerkennung persönlicher Grenzen und Bereichen anderer, die er auch in der WG überschreitet, kann ich mich als Zuschauer in der filmischen Realität einlassen - in einer realen WG sähe das anders aus. Der Film vermittelt ein Gefühl der Hilflosigkeit im Umgang mit sozialen Außenseitern, das heute nicht an Aktualität verloren hat.

 
 

 

DIF, 3.4.2000  

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