Florian Vollmers
Bizarre Phantasien suchen Opas Kino heim

MUSIK, MUSIK – DA WACKELT DIE PENNE, 1970, Regie: Franz Antel
Der Nachzügler der populären Lümmel-Reihe MUSIK, MUSIK - DA WACKELT DIE PENNE von 1970 greift direkt die Jugendbewegung der sechziger Jahre auf und verharmlost sie auf das Niveau eines Schülerstreichs. Denunzierende Darstellungen des Generationenkonflikts und jugendlicher Sexualität sowie der katastrophale Dilettantismus machen diesen Film aus heutiger Sicht zu einem Schandfleck deutschen Filmschaffens
 
"Musik, Musik – da wackelt die Penne. Musik, Musik – da wackelt die Wand!
Das treibt aus jedem Haus den stursten Pauker raus.
Musik, Musik. Musik, Musik. Musik, Musik. Musik, Musik.
Die Penne ist aaauuuus!" 

Parole der Jugendbewegung in
MUSIK, MUSIK – DA WACKELT DIE PENNE 

Im April 1968 startet mit DIE LÜMMEL VON DER ERSTEN BANK - ZUR HÖLLE MIT DEN PAUKERN der erste Film der erfolgreichen und auch heute noch bei wiederholten Fernsehausstrahlungen beliebten "Lümmel-Reihe". Alle diese Filme spielen auf die Studentenproteste der sechziger Jahre an, um sie zu bagatellisieren und zu verharmlosen. Die Jugendbewegung wird auf flegelhafte Streiche reduziert – die ältere Generation behält in irgendeiner Form stets die Oberhand. Joe Hembus und Robert Fischer schreiben kurz und bündig über diese Filme: 

"Strategisch brillantes Rückzugsmanöver des Altfilms, organisatorisch und ideologisch geleitet von Franz Seitz, der die meisten dieser Filme produziert und geschrieben hat: Die Stars von abgetakelten Erfolgsserien wie den Schlager- und Lausbubenfilmen vereint mit Komikerveteranen [...] im ewig wirksamen Schul-Klamauk-Milieu nach Drehbüchern, die den revolutionären Geist von 1968 auffangen, domestizieren und zur Genugtuung der Kleinbürger diffamieren – aus der Parole Ho-Ho-Ho-Tschi-Minh wird in ZUM TEUFEL MIT DER PENNE (1968) "Ho-Ho-Hosen runter!" [1]
 
  [1]Fischer / Hembus, 1981. S. 226.
 
DIF, 3.4.2000 
 

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