Florian Vollmers
Der ewige Irrweg der Jugend

SIEBZEHN JAHR - BLONDES HAAR, 1966, Regie: Franco Montemurro
SIEBZEHN JAHR - BLONDES HAAR, Franco Montemurro, IT/BRD 1966
 
 
 
 
 
 
 
 
Die italienisch-deutsche Co-Produktion LA BATTAGLIA DEI MODS / SIEBZEHN JAHR - BLONDES HAAR von 1966 greift Aspekte der Jugendkultur der sechziger Jahre wie die "Beat-Generation" und das "Gammlertum" auf. Die eigenständigen Lebensentwürfe der Jugend verurteilt der Film jedoch als fehlgeleitete Irrwege, die korrigiert werden müssen, bevor sie in die Kriminalität führen. Die bestehende Ordnung wird als rettender Anker für verwirrte Jugendliche präsentiert. Der Stil des Films offenbart eine verachtende Einstellung gegenüber jugendlichen Gegenbewegungen - eine Tendenz, die sich auch im Pressetext widerspiegelt. 

LA BATTAGLIA DEI MODS / SIEBZEHN JAHR - BLONDES HAAR, – eine deutsch-italienische Coproduktion von 1966 -, gibt vor, ein realistisches Bild der "Jugendproblematik" in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre zu zeigen. Hergestellt von Vetretern der Filmwirtschaft, die der Elterngeneration zugerechnet werden können, und angelegt als rein kommerzielles Produkt, das schnell Kasse machen soll, zeichnet sich dieser Film durch eine Ambivalenz aus, die in vielerlei Hinsicht entlarvend ist. Thematik, Motive und Machart versuchen eindeutig, ein jugendliches Publikum anzusprechen. Die Geisteshaltung, die dahinter steht, ist jedoch in derartig starkem Maße Ausdruck eines elterlichen Blicks, daß der Film zur Groteske wird. 
Erzählt wird die Geschichte des jungen Ricky, der aus Liverpool über Paris und Genua nach Rom fliehen muß, da er fälschlich eines Mordes an einem Mädchen, 17 Jahr’ mit blondem Haar, beschuldigt wird. Ricky und die jungen Menschen, denen er auf seiner Reise begegnet, werden zu der Gruppe der "Gammler und Langhaarigen" (so der Pressetext [1]) gerechnet. Der Film versucht, ein aktuelles Phänomen der damaligen Zeit aufzugreifen: die vieldiskutierten "Gammler"[2], die sich gegen alle Formen des Etabliertseins wandten, meist ohne festen Wohnsitz lebten, keiner geregelten Arbeit nachgingen und - häufigstes Ziel der Aggressionen von außen - keinerlei Wert auf ihr Äußeres legten. 
Daß SIEBZEHN JAHR - BLONDES HAAR diese alternative Lebensform völlig mißversteht, zeigt sich bereits am Handlungsverlauf: Ricky schlägt sich locker bis nach Rom durch - "immer unterstützt von der gefühlig zur Schau gestellten Kameradschaftlichkeit gleichgesinnter zottiger Zunftgenossen"[3]. Dort trifft er auf seinen Vater, entdeckt mit einem bürgerlichen Mädchen die Liebe und beginnt mit ihr ein geregeltes Leben. Der Normalzustand muß am Ende eingenommen werden, nachdem zuvor die Jugend gezeigt wurde, die auf einen Irrweg gelangt war, der in die Kriminalität führen kann. Diese Ideologie bestätigt sich im Pressetext von SIEBZEHN JAHR - BLONDES HAAR:

 
  [1] "Zarte Liebe – Harte Gewalt: In ‚Siebzehn Jahr - blondes Haar‘ versöhnen sich die Gegensätze". Presseinformationen (PDF-Datei) der Gloria-Film.
[2] Diesem Aspekt der Jugendkultur widmet sich, weitaus einfühlsamer, Peter Fleischmanns Debüt HERBST DER GAMMLER von 1967.

[3] N.N., in: film-dienst, Nr.14/1966.

DIF, 3.4.2000 
 
 

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