Dirk Loew
Die Karl-May- und Edgar-Wallace-Filme

DER SCHATZ IM SILBERSEE, Harald Reinl, BRD/Jugoslawien 1962

3.1. Erfolg

Der erste Film der Rialto nach einer Vorlage von May war DER SCHATZ IM SILBERSEE. Der Film mit seinen immensen Herstellungskosten von 3,5 Millionen DM war ein großes Risiko für die Produktionsfirma Rialto und den Produzenten Horst Wendlandt, sowie für den Verleiher und Mitproduzenten Constantin unter Waldfried Barthel. Initiiert wurde das Ganze durch Wendlandts Sohn, der seinen Vater fragte, warum es denn keine Filme um Winnetou und Shatterhand gäbe. Mit dieser Idee wurde Wendlandt dann bei der Constantin vorstellig, die erklärte sich bereit, 75% der Kosten zu tragen. Die Rialto trug die restlichen 25%. Die koproduzierende Jadran aus Zagreb beteiligte sich mit der Bereitstellung von Sachwerten und Dienstleistungen. Dafür erhielt sie die Verleihrechte für die damaligen Ostblock-Staaten [2]. Doch das Risiko sollte sich auszahlen, der Film wurde mit 6 Millionen Zuschauern der größte Erfolg der Saison 62/63. Seine Herstellungskosten spielte der Streifen allein in der BRD innerhalb von drei Monaten wieder ein, dazu wurde er in mehr als sechzig Länder exportiert, 1965 sogar in die USA, wo er wohlwollende Kritiken erntete. Die "Goldene Leinwand", für mehr als drei Millionen Zuschauer innerhalb eines Jahres, war der Lohn. Auch die nächsten fünf Winnetou-Filme der Rialto (WINNETOU I, II, III; UNTER GEIERN, DER ÖLPRINZ) konnten diese Auszeichnung noch gewinnen. Mit WINNETOU UND DAS HALBBLUT APANATSCHI (1966) wollte Wendlandt dann die Serie einstellen, die Herstellungskosten blieben weiterhin sehr hoch, während das Publikumsinteresse sank. Doch der Verleih Columbia/Bavaria finanzierte auf eigenes Risiko noch einen Film nach Karl May: WINNETOU UND SEIN FREUND OLD FIREHAND (1968).

Insgesamt sollten neun Filme um Winnetou und Old Shatterhand produziert werden. Die CCC von Artur Brauner versuchte (da Horst Wendlandt die Rechte an den Wildwestgeschichten und zudem einen Exklusivvertrag mit Winnetou-Darsteller Pierre Brice besaß) auf der Welle mitzuschwimmen, und verfilmte insgesamt sechs Werke Mays (die Schauplätze sind im Orient und in Lateinamerika angesiedelt) mit Lex Barker in der Hauptrolle (siehe Filmographie von WINNETOU I, II, III). Das Hauptaugenmerk dieses Texts aber gilt den Verfilmungen der Geschichten mit den Helden Winnetou und Shatterhand.

 
[2] Alle Angaben entstammen einem Interview des Autors mit Horst Wendlandt am 24. August 1998 in Berlin.
DIF, 3.4.2000
 
 

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