Dirk Loew
Die Karl-May- und Edgar-Wallace-Filme

DER SCHATZ IM SILBERSEE, Harald Reinl, BRD/Jugoslawien 1962

3.2. Struktur der Karl May-Western-Filme

Die wichtigsten Ursachen für den Erfolg der Filme beim Publikum sind:


1. Romantik und Ideale des Karl May werden übernommen.
2. Professionelle und sorgfältige Herstellung der Produktionen.
3. Die kassenträchtigen Stars Lex Barker und Pierre Brice.

Die Handlungsstruktur der Filme lehnt sich eng an die literarischen Vorlagen an. Sämtliche Motive der Romane Mays finden sich in den Filmen wieder. Filmisch besonders stark betont ist das Freundschaftsmotiv sowie die ungewöhnliche Rolle der Indianer. Sie gipfelt darin, daß in einem der Filme nicht die US-Kavallerie, sondern die Apachen den bedrohten Siedlern zu Hilfe eilen (WINNETOU II).

 
DER SCHATZ IM SILBERSEE, Harald Reinl, BRD/Jugoslawien 1962 Der Erfolg der Filme ist in dieser engen Anlehnung an die humanistisch-romantische Thematik (einige Drehbücher haben nur die Namen der handelnden Personen mit der Vorlage gemeinsam, verwenden aber die bekannten Motive) der Romane Mays zu suchen. Shatterhand predigt auch in den Filmen: "kein unnötiges Blutvergießen"; Winnetou ist unendlich edel, die Musik schwillt leitmotivisch an, sobald er zu sehen ist, die Kamera schwelgt in der Landschaft: Die enormen Schauwerte (malerische Landschaft, farbenprächtige Kostüme, kaum Studioszenen, realistisch wirkende Kulissen, Kampfhandlungen, Massenszenen, Stunts, Akteure) der Filme sollten das an das Fernsehen verlorene Publikum zurückgewinnen (ab 1.4.1963 sendete das ZDF). Zur Struktur der Erfolgsserie gehört aber auch das professionelle Wirken eines eingespielten und erfahrenen Teams. Mit dem Regisseur Harald Reinl gingen die Geldgeber auf Nummer Sicher, wie auch die anderen Regisseure wie Vohrer und Philipp als ausgesprochene Routiniers zu bezeichnen sind. Vor der Kamera agierten die Stars Barker und Brice, und das sollte sich an den Kinokassen auszahlen: Beide Schauspieler hatten das, was man "boxoffice appeal" nennt. Der Amerikaner Barker wurde für die Rolle des deutschen Helden Shatterhand ausgewählt und besetzt - aus dem einfachen Grund, daß die Dienste Barkers Horst Wendlandt für günstige 30.000 DM angeboten wurde. Barker war zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere Darsteller in italienischen Piraten- und Abenteuerfilmen und zehrte von seiner Vergangenheit als Tarzandarsteller. Er entsprach in seinem Äußeren gewissen Klischeevorstellungen des deutschen Helden: blond, blauäugig, hünenhaft. Aber auch in den Orientverfilmungen der CCC machte Barker eine glaubhafte Figur, er erlebte mit den May-Filmen eine zweite Karriere und wurde ein gefragter Akteur auch in anderen europäischen Produktionen der sechziger Jahre. Der Franzose Brice schien ebenfalls eine Idealbesetzung für die Rolle des Winnetou zu sein, die Produktion hielt sich, was Maske und Kostüm betraf, auch in diesem Punkt sehr eng an die literarische Vorlage. Die Besetzungsgeschichte von Brice ist ähnlich unspektakulär wie die von Barker: Produzent Wendlandt entdeckte den Franzosen zufällig auf einer Party. über Perre Brice

DIF, 3.4.2000
 
 

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