Dirk Loew
Die Karl-May- und Edgar-Wallace-Filme

WINNETOU UND SHATTERHAND IM TAL DER TOTEN,  Harald Reinl, BRD/YU/IT 1968

3.3. Das Gesetz der Serie

Wenn man für den SCHATZ IM SILBERSEE die Zahl von sechs Millionen Zuschauern annimmt, so hat bei einer Einwohnerzahl der BRD (1962) von ca. 60 Millionen Menschen statistisch betrachtet jeder zehnte Bundesbürger diesen Film gesehen. Bei einem so großem Zuspruch kann der Film also nicht nur ein Erfolg beim männlichen jugendlichen Publikum gewesen sein. Man muß davon ausgehen, daß sich die Karl May Filme neue Publikumsschichten, über das klassische Zielpublikum von Western hinaus, erschlossen hat (siehe dazu auch 3.4.).

Die Ursache für den Erfolg der Produktionen ist in der Eigenschaft der Filme als "Serie" begründet. Die Haupteigenschaft der Filmserie ist natürlich das Wiedererkennen (durch das Publikum) von handelnden Personen und Elementen der Handlung, sowie deren Wiederholung. Das Medium Fernsehen hat seinen Durchbruch zum Massenmedium auch dem Umstand zu verdanken, daß die Fernsehserie die Eigenschaften populärer Kinoserien (sowie den "serials") kopierte. Der Erfolg der Fernsehserie begründet den Niedergang der Kinofilmserie: außer der James Bond-Reihe existiert heutzutage keine Filmserie mehr. In diesem Fall wurde die Produktionsgesellschaft dem Prinzip der Serie gerecht, indem sie gewisse Rollen immer mit den gleichen Schauspielern besetzte. Das gilt natürlich in erster Linie für die Hauptrollen Winnetou und Shatterhand, aber auch für Nebenrollen wie die des Sam Hawkens. Aber nicht nur die festen und immer wiederkehrenden Haupt - und Nebenrollen wurden prominent besetzt. Sowohl die Karl-May-Filme, als auch die Edgar-Wallace-Filme sind Schauspielerfilme.

 

DIF, 3.4.2000
 
 

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