Katrin Linne 
Froh zu sein bedarf es wenig...! ... 

 

1. Einleitung

1977, anläßlich der Publikation eines Filmprogrammheft- Sammelbandes der 50er Jahre, schreibt Maria Schell in ihrem Vorwort: 


"Filme sind ein Ausdruck ihrer Zeit, wenn es Produzenten gibt, die sie machen und ein Publikum, das sie sehen will. Als der deutsche Film seine Höhepunkte hatte, waren die Voraussetzungen ganz anders als sie heute sind."[1


Diese Worte einer Schauspielerin, die in den ‘Goldenen 50er Jahren’ ihre größten Erfolge feierte, scheinen im Ansatz jene These aufzugreifen, welche bereits Siegfried Kracauer als Basis seiner filmsoziologischen Untersuchung ‘Von Caligari zu Hitler’[2] diente und welche von nachfolgenden Generationen von Filmwissenschaftlern wieder und wieder reproduziert und modifiziert wurde [3] . Auch die folgende Analyse basiert auf der Annahme, daß ein Film, insbesondere der finanziell erfolgreiche, Tendenzen und zeitliche Strömungen der Gesellschaft aufgreift und widerspiegelt. 
Doch das o.g. Zitat impliziert über diese filmtheoretische Aussage hinaus auch eine latente Entschuldigung für die Machart jener Werke, die ‘das Seelchen’ des deutschen Films zum gefeierten Star machten. Da Kritik und junge Publikumsschichten in den ausgehenden 50ern verstärkt dazu übergegangen waren, die bei den Massen so beliebten Filme der Dekade entweder zu ignorieren oder in Rezensionen abzuqualifizieren, schien in den 70ern (der Blütezeit des Neuen Deutschen Films) der diskrete Hinweis darauf angebracht, daß die Voraussetzungen damals ‘ganz anders’ gewesen waren. Denn auch wenn Joe Hembus in dem bereits genannten Sammelband sarkastisch-süffisant behauptet, ein ‘echter’ Rudolf Prack-Film gehe ihm über alles, hallt seine Schmähschrift über den deutschen Film [4] noch heute in den Ohren. Aber auch bei jenen, denen Namen wie Hembus oder Schmieding [5] kein Begriff sind, ist das Image des deutschen 50er Jahre Filmes nicht gerade ein positives.

 
  [1] Schell, in: Illustrierte Film-Bühne II, 1977.

[2] Kracauer, 1958.

[3] Vgl.u.a. Westermann, 1990 und Meyer, 1964, sowie Osterland, 1970. 

[4] "Er [der deutsche Film, Anm.d.A.] ist schlecht. Es geht ihm schlecht. Er macht uns schlecht. Er wird schlecht behandelt. Er will auch weiterhin schlecht bleiben." In: Hembus, 1981. S. 7.

5] "Man gebärdete sich avantgardistisch, aber man spekulierte nur auf äußere Effekte. Man versprach schneidige Attacken, aber es wurden nur alberne Witzeleien. Man kündete Kunst an, aber man blieb konventionell und unterwarf sich den Kompromissen." In: Schmieding, 1961. S.10.

DIF, 3.4.2000     

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