Katrin Linne 
Froh zu sein bedarf es wenig...! ... 

 

2.1 Die Filmauswahl 

Nach Sichtung von mehr als hundert Filmen der 50er Jahre (von 1946-1961 wurden ca. 1300 Filme produziert) [14], in welchen aufgrund von zeitgenössischen Programmankündigungen, wissenschaftlicher Literatur oder Kurzbesprechungen sozialgeschichtlicher Gehalt vermutet werden konnte, wurde deutlich, daß auch die fiktiven Handlungsmuster im banalen Unterhaltungsfilm stets reale Zeitbezüge aufweisen. Insbesondere der rasante wirtschaftliche Aufschwung der jungen Bundesrepublik taucht immer wieder in diesen Filmen auf, deren Plot in der Regel vordergründig Themen wie Traumpaarfindung oder Natur- und Heimatverbundenheit beinhalten. Als Prototyp dieser Motivmischung aus traditionellen und wirtschaftlich-aktuellen Momenten kann sicher der erste Nachkriegsfarbfilm SCHWARZWALDMÄDEL (1950) gelten, mit welchem Hans Deppe nicht nur stilistisch, sondern auch motivlich Maßstäbe für den erfolgreichen Unterhaltungsfilm setzte [15]: Ein wenig Armut, Natürlichkeit und Bescheidenheit in Schwarzwaldtracht, kombiniert mit wertvollem Schmuck, Freßkörben und einem roten Volkswagencabriolet, den Insignien des Wirtschaftswunders. Diese beiden Lebenswelten, die nach Währungsreform und Gründung der Bundesrepublik nebeneinander existierten [16], wurden von Deppe auch im Film präsentiert. Nach schwarzweißer Zeitkritik in Trümmerfilmen wurde nun bunt und unbescheiden vorgeführt, wie es denn wäre, schon heute oder morgen ein Luxusleben führen zu können. Bescheidene Nachkriegsverhältnisse konfrontiert mit Wirtschaftswunderwelten, dazu ein ordentliches Maß an leicht verständlich formulierten Lebensweisheiten, die die dargestellten Verhältnisse bewerten und kommentieren; auf diese Weise wird in den 50er Jahren das Motiv des wirtschaftlichen Aufschwungs filmisch umgesetzt. 

Latent enthalten diese fiktionalen Gesellschaftsbilder Beurteilungen verschiedener Lebensweisen und Verhaltensmuster, die es dem heutigen Zuschauer ermöglichen, Rückschlüsse auf die Mentalität der realexistierenden Gesellschaft der 50er zu ziehen. Auf den ersten Blick präsentiert sich die jeweilige Handlung weder inhaltsschwer, noch abendfüllend, geschweige denn realitätsnah. Doch unter der manifesten, simpel ‘gestrickten’ Handlungstruktur leben diese Filme von der pseudo-philosophischen Kommentierung und Bewertung des Aufeinanderprallens konträrer Lebenswelten. Es sind die Zwischentöne und kleinen Episoden entlang des Haupterzählstranges, welche den appellativen Charakter der Filme ausmachen. 

Besonders unterhaltsam und eindrucksvoll wird diese ‘verrückte Zeit’ [17] in folgenden Filmen präsentiert: 



  [14] Bliersbach, 1985. S.157.

[15] SCHWARZWALDMÄDEL wurde innerhalb von 2 Jahren von mehr als 16 Millionen Zuschauern gesehen.Vgl. Barthel, 1986. S. 90.

[16] Vgl.u.a. Schildt, 1995. Und: Andersen, 1997. 

[17] Brauner, 1998. S. 3.

DIF, 3.4.2000 
 
 

   

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