Katrin Linne 
Froh zu sein bedarf es wenig...! ... 

 


BRIEFTRÄGER MÜLLER, John Reinhardt / Heinz Rühmann, BRD 1953
BRIEFTRÄGER MÜLLER, John Reinhardt / Heinz Rühmann, BRD 1953
2.2  BRIEFTRÄGER MÜLLER (1953) 

Ein kleiner zufriedener Mann wird verdorben durch das große Geld, verliert schließlich alles und erkennt gerade noch rechtzeitig die wahren Werte im Leben. 

Bereits die erste Sequenz macht in ihrer Farbigkeit, Reinlichkeit und Heiterkeit - unterlegt von einer fröhlichen Leitmelodie - die Grundtendenz des Films deutlich. Das 50er Jahre Kleinstadtleben in Reinkultur: 
Ein langsamer Schwenk über ein Städtchen, überflutet von Sonnenschein, dazu Fanfaren und fröhliche Geigenmusik: Die Briefträger des Städtchens strömen in ihren sauberen Uniformen eilig und dienstbeflissen aus dem Postamt. Auch Briefträger Müller ist darunter: Mit beschwingtem Gang beglückt er den Bäcker, den Bootsmann und die Frau am Brunnen mit Post. Alle grüßen fröhlich, denn man kennt sich, man lebt öffentlich, plaudert ein wenig und ist glücklich. Die weißglänzenden Zäune scheinen alle frischlackiert, die Blumen in Gärten und auf Fensterbänken in purem Humus gepflanzt, die Häuser gestern getüncht oder eben erst erbaut, als habe sich das Städtchen zu einem Wettbewerb ‘Unsere Stadt soll schöner werden’ gemeldet. Alles präsentiert sich klein, sauber, adrett und gemütlich wie in einem dieser Zwergenbücher.

Beschwingt, die saubergefegten Bürgersteige an blitzenden Häuserreihen entlangtänzelnd, verrichtet der Postangestellte seine Arbeit. 
Den Menschen, die in dieser Umgebung, in diesem Städtchen leben, muß es ja gut gehen! Besondere Beachtung verdient in diesem Zusammenhang eine mit schneeweißer Farbe (sie erscheint fast fluoreszierend) gestrichene Treppenhauswand, an welcher nigelnagelneue Briefkästen millimetergenau, akkurat abgemessen, angebracht sind. Da macht es doch doppelt Freude, ein Briefträger zu sein. 

 
   
DIF, 3.4.2000 
 
 

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