Katrin Linne 
Froh zu sein bedarf es wenig...! ... 

 

3. Schlußbetrachtung

"Schön ist es, auf der Welt zu sein..." lautet die erste Zeile eines Liedes von Schlagerbarde und Schauspieler Roy Black, aufgenommen in den 70er Jahren. Während im deutschen Kino Fassbinder & Co. mit ihrem filmgewordenen Gesellschaftspessimismus 'Magenschmerzen bereiteten', kompensierte die Masse den Verlust von hoffnungsfrohen Botschaften im Film mit Trostgesängen schöner und ’lebensfroher’ Menschenkinder. Der Neue Deutsche Film (der als Antwort auf die ausschließliche Heiterkeitsbotschaft der 50er zu werten ist) hatte vernachlässigt, den Bundesbürgern zu erzählen, daß die Welt, in der sie leben, nicht ausschließlich schlecht, korrupt und sattgefressen ist, sondern auch schöne Seiten bereithält.

Diese unbeschwerte Lebensfreude, welche der deutsche Film nach Oberhausen nicht mehr bieten konnte bzw. wollte, hatte zuvor der Unterhaltungsfilm der 50er bis zur Unerträglichkeit strapaziert. Er "suggerierte dem Konsumenten, daß er in der ‘besten aller Welten’ lebe und demonstrierte ihm diese Welt ununterbrochen." [55] Mit strahlendem Sonnenschein allerorten, blitzblank geputztem Inventar, und fröhlichem Gesang knapp über Karnevalsniveau demonstrierten die Filme nach 1949 in aller zur Verfügung stehenden Farbigkeit, wie denn das Leben wieder ein glückliches werden könnte.

 
 

[55] Meyer, 1964. S. 65.

DIF, 3.4.2000 
 
 

 
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