Lutz Keßler  
Zusammenfassung

 

DIE SÜNDERIN, Willi Forst, BRD 1950

Die wenigen Beispiele, die sich des Themas jugendlicher Selbstfindung annehmen, lassen dennoch genügend Rückschlüsse zu. Zum einen fällt der ungeheure und nahezu an völlige Verständnislosigkeit grenzende Skeptizismus auf, mit dem man die Entwicklung der Jugendlichen betrachtete. Es war vor allem der nachwirkende Eindruck der unmittelbaren Nachkriegszeit, die geprägt waren vom Schwarzhandel und den täglichen Entbehrungen. Zusammen mit der zunehmenden Restauration christlicher Moralvorstellungen scheute man sich nicht, mitunter schon einmal sehr rigide Maßnahmen zu ergreifen, um möglichen Fehlentwicklungen unter der Jugend entgegenzuwirken bzw. vorzubeugen. Diese glaubte man in erster Linie in einer zu lockeren Lebensführung begründet, die man als unmittelbare Folge des zunehmenden Einflusses des "american way of life" betrachtete.

Den Jugendlichen konnte das Mißverhältnis von Anspruch und Wirklichkeit ihrer erwachsenen Vorbilder jedoch nicht verborgen bleiben. Zu extrem war der Widerspruch, der sich zwischen öffentlichem Protest gegen Filme wie DIE SÜNDERIN, dem schwedischen „Skandalfilm" SIE TANZTE NUR EINEN SOMMER oder den LIANE-Filmen einerseits und deren gleichzeitigem Erfolg andererseits manifestierte. Das Resultat dieser Entwicklung war eine zunehmende Abkehr der Jugendlichen von den Erwachsenen, wie sie sich beispielsweise in Georg Tresslers ENDSTATION LIEBE ankündigt. Die Jugendlichen fühlen sich zunehmend unverstanden und mit ihren Problemen allein gelassen. Eine Tendenz, die Filme wie Gerd Oswalds AM TAG ALS DER REGEN KAM (1959) und Alfred Vorrers MIT 17 WEINT MAN NICHT (1960) nur wenige Jahre später noch drastischer in Szene setzten.

 
 

 

DIF, 3.4.2000
 
 

 
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