Francisco Blas Reyes / Marta Muñoz Aunión
1. Anmerkungen über die spanische Filmindustrie in den 60er Jahren und Anfang der 70er Jahre

Die spanische Gesellschaft der 60er und 70er Jahre war geprägt von der Landflucht. Viele Spanier zogen nach Madrid und Barcelona, aber auch in die großen industriellen Städte Europas, um Arbeit zu finden. Außerdem waren es Jahre des Optimismus, denn das Land begann an der internationalen Politik teilzunehmen. Auf nationaler Ebene förderte die Regierung Entwicklungsprojekte, wie zum Beispiel den Aufbau der Tourismusindustrie, die mit der Zeit eine wesentliche Grundlage für das spanische Wirtschaftswunder wurde.

Die Filmindustrie in Spanien war eine überwiegend staatliche Institution und profitierte ebenfalls von dieser Entwicklung. Jose María Escudero (neuer Director General de Cinematografía = Generaldirektor der staatlichen Filmindustrie) entwarf Pläne, die Filmindustrie gewinnorientiert auszubauen. Die Bedingungen für Filmproduktionen wurden erleichtert: Zum einen wurden die Zensur und die Verpflichtung zur ideologischen Linientreue gelockert, zum anderen wurden großzügigere Finanzierungspläne geschaffen, um das kommerzielle Kino zu stärken - auch im Hinblick auf internationale Koproduktionen.

Trotz dieser Bemühungen konnte die spanische Filmindustrie eine Krise nicht vermeiden. Dafür gab es drei Gründe: erstens gab es in Spanien nicht genug Kinos für die Menge an Neuproduktionen; zweitens machten die schlechte Qualität und das mangelnde Geld für Werbung die Filme für den internationalen Markt unattraktiv; drittens erreichten die "Supercoproducciones" (die großen Hollywood-Koproduktionen wie z.B. 55 TAGE IN PEKING, EL CID, u.a.) nicht den gewünschten Erfolg. Nur dank einiger kommerzieller Publikumserfolge blieb die Filmindustrie Anfang der 70er Jahre von einem endgültigen Zusammenbruch verschont. Komödien waren in dieser Zeit das beste Mittel, um die Menschen in die Kinos zu locken und somit die finanzielle Situation zu verbessern. Dieses Genre wurde zur Grundlage der Filmindustrie in Spanien. Ein wichtiger Teil dieser Produktionen waren die sogenannnten "erotischen Komödien", aber auch der "Landismo", zu dem man VENTE A ALEMANIA, PEPE zählt. Dadurch wurde ein neues Bild der Gesellschaft vermittelt, das viel offener war und dessen Grundlagen der ausländische Tourismus und die Beziehungen der Spanier mit Ausländern waren.

**Quelle: Enciclopedia del cine español. Ministerio de Educación y Cultura. Instituto de la Cinematografía y de las Artes visuales. Micronet. 1996 

 
   
DIF, 3.4.2000    
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