Francisco Blas Reyes / Marta Muñoz Aunión
2. Pepe vente a Alemania 
PEPE VENTE A ALEMANA, Pedro Lazaga, Spanien 1970/71

2.1 Von einem provinziellen Spanien zum deutschen Wirtschaftswunder

Am Anfang wirft der Film einen Blick auf das Spanien, in dem Pepe wohnt. Sein Dorf liegt in der Monegros-Wüste (nördliches Zentralspanien). Dort gibt es nichts. Man sieht eine leere, trostlose Landschaft und hört die Glocken eines einsamen Kirchturms. Der Wohlstand den der Tourismus seit den 60er Jahren brachte, beschränkte sich auf die Küstenregion. Pepes Dorf hat er nicht erreicht. Das Binnenland wurde mehr und mehr isoliert, da die ökonomische Situation sich hier nicht entwickelt hat.Es herrschte eine Art autarkes System, jenseits der Neustrukturierungen in den florierenden Küstenregionen. Aus diesem Grund arbeitet Pepe als Meßdiener, Briefträger und kümmert sich um einige Kühe aus dem Dorf. Trotzdem verdient er nicht genug, um zu heiraten. Eine eigene Familie zu gründen, ist das Hauptziel der Jugend im ultrakatholischen und faschistischen Spanien. Die Kirche, genauer der Priester, leiten das Leben im Dorf und sind die Achse der Gesellschaft.

Die Rückkehr Angelinos, Pepes bester Freund und erster Emigrant des Dorfes, löst allgemeine Euphorie aus. Er kommt mit einem wunderbaren Auto (Mercedes) zurück, schönen neuen Kleidern (bayerischer Hut und Lodenmantel), Geschenken und anderen merkwürdigen Dingen, die auf ein reiches, modernes und freizügiges Deutschland schließen lassen. Angelinos Berichte über das Wirtschaftswunder und die Automatisierung der Lebensbereiche überzeugen Pepe und einen Freund, ebenfalls zu emigrieren. Sie werden von der Hoffnung getragen, mit gleicher Arbeit einen höheren Lohn zu erlangen, so daß sie ihre Träume (Auto, Luxus, Frauen, Geld, eigene Firma) erfüllen können und nach ihrer Rückkehr in Spanien ein besseres Lebensniveau erreichen.

 
   
DIF, 3.4.2000    

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