Francisco Blas Reyes / Marta Muñoz Aunión
2. Pepe vente a Alemania 
PEPE VENTE A ALEMANA, Pedro Lazaga, Spanien 1970/71

2.3 Resümee

In erster Linie war der Film in Spanien ein Propagandamittel, um die Menschen zur Gastarbeit in Deutschland zu bewegen, aber auch um die Vorzüge der spanischen Heimat darüber hinaus nicht zu vergessen. Gastarbeiter waren positiv für die spanische Ökonomie, denn so konnten die hohen Arbeitslosenzahlen reduziert werden. Tatsächliche Probleme der Emigration wie Sprache oder Integration werden nur am Rande behandelt.

Aus heutiger Sicht wirkt der Film sehr altmodisch, die Charaktere lächerlich. Obwohl der Film zum allgemeinen spanischen Bewußtsein gehört und er oft genug im Fernsehen läuft, wird er von den Filmhistorikern wegen seines seichten Themas und seiner minderen künstlerischen Qualität ignoriert. Deshalb ist der Film auch in keiner spanischen Filmchronik zu finden.

Heutzutage sind die Unterschiede zwischen Deutschland und Spanien nicht mehr so offensichtlich. Die beiden Gesellschaften sind sehr ähnlich und die Spanier, die hier her kommen, sind meistens Studenten oder sie arbeiten bei spanischen Unternehmen. Unserer Meinung nach sind die Unterschiede in Deutschland zwischen Stadt und Dorf so gross wie in Spanien. Was man nicht vergessen darf, ist, daß in VENTE A ALEMANIA, PEPE die Figuren zu einer provinziellen Welt gehören und daß damals Pepe in den spanischen großen Städten auch mehrere Anpassungsprobleme gehabt hätte. Der Konflikt der Anpassung in einer industrialisierten Stadt hat es sicher auch in vielen anderen europäischen Ländern gegeben, der Film zeigt ihn aus der spanischen Sicht. Die sexuelle Unterdrückung, die Macht der Kirche und andere wichtige Themen im Film gehören der Vergangenheit an.

Dieser Text wurde von Francisco Blas Reyes und Marta Muñoz Aunión geschrieben. Wir sind Doktoranden der Universität Sevilla (Spanien) und forschen an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt/M (Deutschland) über Filmgeschichte. Wir haben diesen Film gewählt, weil wir denken, daß er ein gutes Beispiel für die Beziehungen zwischen Spanien und Deutschland in den 60er Jahren ist. Außerdem gehört er zu unserer filmischen Erinnerungen und die Figur Pepes, als Spanier in Deutschland, taucht immer wieder als Klischee im spanischen Denken auf. Jedenfalls identifizieren wir uns als Angehörige der ersten Generation nach Franco nicht mit Pepe. Pepe ist aber trotzdem keine negative oder peinliche Figur für
uns, sondern Personifikation eines historischen Momentes, den die Spanier nicht vergessen sollten.
 
   
DIF, 3.4.2000    

  nächstes Kaptitel Kapitelübersicht