Claudia Dillmann, Rudolf Worschech
Neuer Deutscher Film

1. Kampf um mehr Anerkennung

 

Die Bestandsaufnahmen zum Neuen Deutschen Film waren bis weit in die 80er Jahre nicht von einer historisch-kritischen Haltung bestimmt, sondern sie bezogen engagiert, gelegentlich aggressiv, häufig stolz Position ergreifend für die neuen Produktionen und für eine neue Filmkultur. Geprägt vom Einverständnis zwischen Filmemachern und Theoretikern, Kritikern und Fernsehredakteuren, Historikern und Institutsleitern entstanden in den 70er Jahren Bücher, die zunächst einmal zur Selbstdarstellung des Neuen Deutschen Films beitragen sollten - konnte sich dieser doch mangels Akzeptanz durch Verleiher, Kinobesitzer und große Teile des Publikums häufig nicht im Kino entfalten.

Interviews und Portraits der Regisseurinnen und Regisseure (solche Monografien konnten hier nicht berücksichtigt werden) schufen zu diesem Zweck die Plattform für die Darstellung des künstlerischen wie des sozio-kulturellen Anspruchs. Diesen letztgenannten auch politisch durchzusetzen, sah sich das Geflecht von Autoren gleichfalls verpflichtet. Zur gemeinsam angestrebten Etablierung von Film- und Kinokultur war nämlich mehr vonnöten als die Produktion der neuen Filme selbst: "Öffentlichkeit", neue Förderungssysteme, anders besetzte Gremien, neue Distributionsformen, ein anderes Kino, ein anderes Publikum, Sendeplätze, Hochschulen, Archive, neue Festivals, Filmzeitschriften und eine eigene Filmgeschichtsschreibung. Solcherart interessegeleitet und parteilich entstanden gemeinsame Darstellungen des Phänomens Neuer deutscher Film als Teil des gemeinsamen Kampfes

 
 

 

DIF,15.8.2000  

  nächste Seite Kapitelübersicht zurück