Claudia Dillmann, Rudolf Worschech
Neuer Deutscher Film

5. Zwiespalt: Kunst und Finanzierbarkeit

Nach dem Oberhausener Manifest von 1962 dauerte es noch Jahre, bis die "Jungfilmer" sich auch im Kino etablieren konnten. Mit der Einrichtung des Kuratoriums junger deutscher Film 1965 stiegen die Chancen für Debütanten, und Ende der 60er Jahre konnten Regisseure wie Alexander Kluge, Werner Herzog oder Peter Fleischmann ihre ersten Langfilme drehen. (Die erste Untersuchung dieser deutschen Neuen Welle, ihrer Stilmerkmale und Motive wurde bezeichnenderweise in Frankreich geleistet, 1969 von Francis Courtade in "Jeune Cinéma Allemand"). Die Zeit Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre war gekennzeichnet von einem wachen Bewußtsein der Filmkritiker, Regisseure und ihrer jeweiligen Produzenten für Fragen der Filmpolitik. Die Finanzierung des Nachwuchsfilms geriet zum zentralen Thema in der 1973 erschienenen und von Barbara Bronnen und Corinna Brocher herausgegebenen Interviewsammlung "Die Filmemacher. Zur Neuen deutschen Produktion nach Oberhausen 1962". Sie enthielt Gespräche mit insgesamt 17 Regisseuren (aber nicht mit Regisseurinnen) wie den später bekannten Werner Herzog, Jean-Marie Straub, Rainer Werner Fassbinder und Volker Schlöndorff, aber auch mit solchen, deren wichtigste Phase in den 60er Jahren lag, wie Maran Gosov oder George Moorse. Sie berichten vornehmlich über die Produktionsbedingungen ihrer Filme, von den Versuchen, sie ins Kino zu bringen und dem Zusammenhang von filmischer Imagination mit ökonomischer Realität.

 
  
 

 

DIF, 15.8.2000  

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