Claudia Dillmann, Rudolf Worschech
Neuer Deutscher Film

8. Aufschwung mit Abstrichen

Um 1980 hatte sich der Neue Deutsche Film mit seinen Star-Regisseuren Fassbinder, Wenders, Herzog und Schlöndorff durchgesetzt. Insbesondere in den USA und Frankreich verzeichnete er Festival- und Publikumserfolge, und auch im Inland fand er nun sein Publikum, griff das, was als "Filmkultur" gefordert und schließlich staatlich gefördert worden war. Aber nicht erst durch die Hamburger Erklärung von 1979 wurden die grundsätzlichen, strukturellen Probleme sichtbar: die Abhängigkeit von den Gremien, von staatlichem Geld, von direkter und indirekter Beeinflußung - die dem mit Verve vertretenen Konzept des Autorenfilms, des sich selbst verwirklichenden "freien" Künstlers, diametral entgegenstand; die Konkurrenz zum und die Abhängigkeit vom Fernsehen, das von Kluge ein paar Jahre zuvor noch der Zulieferung von "Ersatzrealität" und "Scheinöffentlichkeit" bezichtigt worden war; die Besetzung des Markenzeichens Neuer Deutscher Film mit wenigen Star-Regisseuren des Spielfilms, hinter denen die Mehrzahl der Filmemacherinnen und -macher, nicht zuletzt die Dokumentar- und die Experimentalfilmer zu verschwinden drohten; die daraus resultierenden unterschiedlichen Absatzmöglichkeiten; die Diversifikation des Publikums bis hin zum Kino der Minderheiten; die Benachteiligung von Filmemacherinnen. Was findet sich davon in den zeitgenössischen Bestandaufnahmen wieder, deren Autoren und Autorinnen in der Regel enge Beziehungen zu ihren Protagonisten pflegten?

 
  
 

 

DIF, 15.8.2000  

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