Claudia Dillmann, Rudolf Worschech
Neuer Deutscher Film

11. "Bestandsaufnahme: Utopie Film"

Die Debatten und die Forderungen, die sich aus ihnen ergaben, präsentierte 1983 noch einmal der politischste Kopf und wichtigste Lobbyist des Neuen Deutschen Films, Alexander Kluge. Seine "Bestandsaufnahme: Utopie Film" (zu der auch Helmut Färber und viele andere beitrugen) benennt die strukturellen Defizite: den Umgang mit dem scheinbaren Gegensatzpaar "Qualität und Wirtschaftlichkeit" in der Filmförderung, im Abspiel die zu enge Basis und die große Macht des Fernsehens, die Einbindung des Dokumentarfilms in die Auftragsproduktion, die mangelnde Kopplung mit den Interessen der Zuschauer, die Konkurrenz und Egozentrik der in den Medienbereichen sortierten Gruppen, das fortdauernde Problem der Herstellung von Öffentlichkeit; und er fordert "als den eigentlichen optimistischen Kern des Kinogedankens" die "Überlebenskraft der Identität", die "unverfrorene Erzählhaltung". Darin zeigt sich Kluges Haltung gegenüber dem Kino, das er weder der Kunst noch der reinen Unterhaltung zugehörig sehen, sondern in seinen emanzipatorischen Möglichkeiten erkannt wissen will. Claudia Lenssen steuert eine wunderschöne "Liste des Unverfilmten" bei, listet auf, was fehlt an Plots und Genres, Ideen und Helden, Stimmungen ("Der deutsche Film ist zu nett und zu tief"). Diese "Utopie Film" überdauert als Lesebuch die Zeiten.

 
  
 

 

DIF, 15.8.2000  

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