Claudia Dillmann, Rudolf Worschech
Neuer Deutscher Film

13. Erfolgsbarometer USA

In den USA hatten vor diesem Hintergrund die Neuen Deutschen Filme früher als in der Bundesrepublik Kritikererfolge gefeiert - ein Faktum, das die Filmemacherinnen und Filmemacher "zuhause" gerne als Argument in der Legitimationsdebatte gebrauchten. Das Interesse in den USA galt unter anderem der auf Haß-Liebe basierenden Auseinandersetzung der berühmten Regisseure und Regisseurinnen mit "Hollywood" und den erzählerischen Standards, die es setzt, aber vor allem auch den Deutschlandbildern des Neuen Deutschen Films, wie auch Elsaesser sie in den Filmen von Herzog, Syberberg, Fassbinder, Wenders und von Trotta untersucht.

Die Rezeption in den USA spiegeln zunächst jene Arbeiten wider, die von US-amerikanischen Autoren vornehmlich Mitte der 80er Jahre vorgelegt wurden, ohne daß sie neue Ansätze zur Interpretation des Phänomens oder neue Darstellungsformen beigetragen hätten: meist stehen Einzelfilme oder einzelne Filmemacherinnen und Filmemacher im Mittelpunkt, wobei eine Einführung den sozio-kulturellen und historischen Kontext herstellt: Timothy Corrigan, "New German Film. The Displaced Image", 1983, revidierte und erweiterte Ausgabe 1994; Klaus Phillips (Hg.), "New German Filmmakers, From Oberhausen Through the 1970s", 1984; nicht anders in Großbritannien: John Sandford, "The New German Cinema", 1980; in Italien versicherten sich die Herausgeber des Biennale-Bandes "Repubblica Federale Tedesca", 1981, und Giovanni Spagnoletti für sein "Il Nuovo Cinema Tedesco negli anni Sessanta", 1985, der Mitarbeit vornehmlich bundesdeutscher Filmkritiker, -regisseure und -historiker, sodaß die Bücher keine spezifisch italienische Rezeption wiedergeben. James Franklin referiert aber in "New German Cinema: From Oberhausen to Hamburg", 1983, daß auch das Publikum des New Yorker Filmfestivals und die Kritik bis weit in die 70er Jahre auf die neuen Produkte aus der Bundesrepublik eher ratlos und ablehnend reagierten und daß der Umschwung der Meinung (analog zu der bundesrepublikanischer Kinogänger) erst mit den an Genres orientierten, für ein breites Publikum gedachten Arbeiten von Fassbinder, Herzog, Wenders und Schlöndorff kam.

 
  
 

 

DIF,15.8.2000  

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