Claudia Dillmann, Rudolf Worschech
Neuer Deutscher Film

14. Deutschlandbilder

DEUTSCHLAND IM HERBST, Fassbinder, Schlöndorff, Kluge u.a., BRD ,1978

Was die Deutschlandbilder angeht, so wurde die Durchdringung der Vergangenheit und Gegenwart, die Strategien der Re-Präsentation von Geschichte nicht allein als ein Hauptthema des Neuen Deutschen Films begriffen, sondern eben auch als eines der neueren Filmgeschichtsschreibung: Eric Rentschler spielt diese Ansätze in "West German Film in the course of time. Reflections on the Twenty Years since Oberhausen", 1984, mit den Schlüsselwörtern "Kontinuität" und "Subversion" unter anderem an Heimatfilm und Literaturverfilmungen durch und untersucht kritisch die ihm allzu euphorisch erscheinende Rezeption in den USA.

Kein Film hat die US-Kritiker und Historiker in diesem Zusammenhang nachhaltiger beeindruckt als DEUTSCHLAND IM HERBST, 1977 als Omnibus-Projekt innerhalb kürzester Zeit entstanden, und darin jene Episode, für die Fassbinder verantwortlich zeichnete. Mehrere Einzelanalysen (Corrigan, Elsaesser, Franklin) gelten dieser offenkundig schockierenden Erfahrung, wie die Hysterie und Paranoia des Deutschen Herbstes den latenten deutschen Faschismus offenbarte, aber auch die berechtigte Sorge um die bürgerliche Freiheit über den Transmissionsriemen Film für Amerikaner greifbar wurde - und wie in dieser direkten "Übertragung" eine der großen Stärken des Neuen Deutschen Films konkret erfahrbar wurde.

 
 "20 Jahre Deutschland im Herbst", Filmreihe des Filmzentrums München (Goethe-Institut)
 

Quelle:
Nachdruck aus: Recherche: Film. Quellen und Methoden der Filmforschung. Hg. Hans-Michael Bock, Wolfgang Jacobsen. Hamburg: Verlag edition text + kritik GmbH, 1997. S. 198 - 207.

DIF, 15.8.2000  

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